
Wer in Guangzhou für den Export einkauft, kommt an den Vorschriften nicht vorbei. Jede Weltregion setzt eigene Sicherheits- und Umweltregeln durch, und wer sie verfehlt, riskiert beschlagnahmte Sendungen, Bußgelder oder Rückrufe. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Konformitätszeichen für die meisten Konsumgüter: CE für die EU, UKCA für Großbritannien, FCC für die Vereinigten Staaten sowie Umweltregelwerke wie RoHS und REACH. Die CE-Kennzeichnung beim Import aus China ist dabei nur der bekannteste von mehreren Stempeln. Wir zeigen außerdem, wie Sie einen Prüfplan mit akkreditierten Laboren aufstellen und welche Unterlagen Sie für Zoll und Marktaufsicht behalten müssen.
Das CE-Zeichen ist für viele Produkte Pflicht, die im Europäischen Wirtschaftsraum verkauft werden. Es besagt, dass das Produkt alle einschlägigen EU-Richtlinien erfüllt, etwa die Niederspannungsrichtlinie und die Richtlinie zur elektromagnetischen Verträglichkeit bei Elektrogeräten oder die Spielzeugrichtlinie bei Kinderprodukten. Um das Zeichen rechtmäßig anzubringen, muss der Hersteller oder Importeur eine Konformitätserklärung erstellen und eine technische Akte mit Prüfberichten akkreditierter Labore zusammenstellen. Zur CE-Prüfung gehören üblicherweise Sicherheitskontrollen, also die Fragen, ob ein Produkt überhitzt, Stromschläge verursachen kann oder mechanische Gefahren birgt, dazu Messungen der elektromagnetischen Aussendung. Die Prüfungen beziehen sich auf harmonisierte EN-Normen, die den jeweiligen Richtlinien zugeordnet sind. Verlassen Sie sich nicht auf allgemeine Zertifikate: Bestehen Sie auf vollständigen Prüfberichten, in denen Ihr Unternehmen oder Ihr Lieferant namentlich steht und die eine Berichtsnummer tragen, die Sie beim Labor nachprüfen können.
Nach dem Brexit hat das Vereinigte Königreich die UKCA-Kennzeichnung eingeführt. Sie deckt viele derselben Produktgruppen ab wie CE, gilt aber nur in Großbritannien. Die technischen Anforderungen entsprechen vorerst weitgehend denen der EU, doch Sie brauchen eine eigene Konformitätserklärung und oft ein leicht abweichendes Etikett. Die meisten EN-Normen wurden als sogenannte UK designated standards übernommen, deshalb lassen sich Prüfergebnisse aus dem CE-Verfahren in der Regel für UKCA weiterverwenden. Ihre technische Akte muss allerdings auf die richtigen Rechtsvorschriften verweisen, und wo eine Zertifizierung durch Dritte vorgeschrieben ist, brauchen Sie eine britische Approved Body. Denken Sie daran, dass CE und UKCA nicht austauschbar sind. Ein Produkt, das in beiden Regionen verkauft wird, braucht beide Zeichen.
In den Vereinigten Staaten müssen Geräte, die Hochfrequenzenergie abstrahlen, die FCC-Vorschriften erfüllen. Dazu zählen Bluetooth-Lautsprecher, WLAN-Router, Smartphones und sogar unbeabsichtigte Störstrahler wie Digitaluhren. Bei der FCC-Konformität wird die elektromagnetische Aussendung des Geräts gemessen, damit es andere Funkdienste nicht stört. Für absichtliche Sender brauchen Sie eine FCC-ID, für unbeabsichtigte Störstrahler kann eine Supplier’s Declaration of Conformity ausreichen. FCC-Prüfungen sind von den Sicherheitsprüfungen getrennt; für die US-Vorschriften brauchen Sie meist beide Berichtssätze.
RoHS, die Beschränkung gefährlicher Stoffe, ist ein europäisches Umweltrecht, das den Gehalt bestimmter Schwermetalle und weiterer Chemikalien in Elektro- und Elektronikgeräten begrenzt. Zu den beschränkten Stoffen zählen üblicherweise Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom und zwei Gruppen bromierter Flammschutzmittel. Jeder ist auf 0,1 Prozent oder 0,01 Prozent des Gewichts begrenzt. Viele Länder außerhalb der EU haben ähnliche Regeln übernommen, und wenn Ihr Produkt Elektronik enthält, muss es sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einhalten. Für die RoHS-Prüfung werden meist repräsentative Proben jedes einzelnen Materials im Produkt genommen und per Röntgenfluoreszenz oder genauerem chemischem Aufschluss analysiert. Verlangen Sie von Ihren Lieferanten vollständige RoHS-Berichte, für die Bauteile und für die fertige Ware.
REACH steht für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Anders als RoHS, das eine feste Stoffliste betrifft, umfasst REACH tausende Chemikalien über viele Produktarten hinweg. Als Importeur in die EU müssen Sie wissen, ob Ihr Produkt besonders besorgniserregende Stoffe, kurz SVHC, über 0,1 Prozent des Gewichts enthält. Diese Liste wird regelmäßig aktualisiert; typische Beispiele sind bestimmte Phthalat-Weichmacher, Azofarbstoffe und langlebige organische Schadstoffe. Bei Textilien prüfen Sie vielleicht auf verbotene Azofarbstoffe und Formaldehyd, bei Kunststoffen auf Phthalate. Klären Sie mit Ihrem Lieferanten, welche Stoffe überhaupt in Frage kommen, und beauftragen Sie die Laborprüfungen entsprechend.
Wenn Sie Labortests planen, legen Sie zuerst fest, wo das Produkt verkauft werden soll. Listen Sie alle einschlägigen Richtlinien und Verordnungen auf. Holen Sie dann bei einem akkreditierten Labor ein Angebot ein. Geben Sie ausführliche Produktspezifikationen mit und fragen Sie, welche Muster gebraucht werden. Nehmen Sie serienreife Muster statt handgebauter Prototypen, denn die Behörden erwarten, dass Prüfungen die tatsächliche Fertigung abbilden. Buchen Sie die Prüfung deutlich vor dem geplanten Versand, denn Labore in China und Hongkong sind rund um die Messesaison stark ausgelastet. Wenn Sie Varianten führen, etwa verschiedene Farben oder Modelle, fragen Sie, ob eine repräsentative Prüfung sie mit abdeckt. Das senkt die Kosten spürbar.
Sorgen Sie dafür, dass Ihre technische Akte vollständig ist. Hinein gehören Stückliste, Zeichnungen, Risikobeurteilungen, Bedienungsanleitungen, Etiketten und vollständige Prüfberichte, nicht bloß einseitige Zertifikate. Dazu kommt Ihre Konformitätserklärung oder die Supplier’s Declaration. Bewahren Sie diese Akte mindestens zehn Jahre auf, so verlangt es das EU-Recht. Wechseln Sie Lieferanten oder Materialien, prüfen Sie, ob neue Tests nötig werden; schon eine kleine Bauteiländerung kann frühere Berichte entwerten. Viele Importeure legen jährliche Stichproben oder Chargenprüfungen fest, um die Konformität laufend zu bestätigen.
Sprechen Sie zuletzt klar mit Ihrem Lieferanten über die Zuständigkeiten. Die CE-Kennzeichnung beim Import aus China gehört selten nur einer Seite: Manche Fabriken bezahlen die Erstprüfung, um Ihr Geschäft zu gewinnen, andere erwarten, dass Sie die Kosten tragen. Klären Sie, wer die Prüfberichte hält und wer in der Konformitätserklärung steht. Bitten Sie Ihren Lieferanten, Sie vor Änderungen zu informieren, die die Konformität berühren könnten. Wer vorausplant und mit akkreditierten Laboren arbeitet, vermeidet teure Verzögerungen und bringt seine Produkte rechtssicher in den Markt.
Fazit: Prüfungen sind keine bloße Bürokratie, sie schützen Verbraucher und Ihre Marke. Ob Sie ein CE-Zeichen anbringen, ein UKCA-Etikett kleben oder die FCC-Konformität sichern, investieren Sie in ordentliche Prüfungen und ordentliche Unterlagen. Bauen Sie langfristige Beziehungen zu Laboren auf und bleiben Sie bei Änderungen an Regelwerken wie RoHS und REACH auf dem Laufenden. Diese vorausschauende Haltung hält Ihre Lieferkette in Bewegung und gibt Ihren Kunden Vertrauen in das, was sie kaufen.


